
Die Kunst ist
immer Teil meines Lebens gewesen. Schon als
kleines Kind faszinierte mich das Sehen.
Ich liebte es, Dinge zu
betrachten, Schatten
und Licht zu beobachten und
wie sie die Gegenstände tanzen
lassen in ihrem
Spiel miteinander.
Mit
großer
Leidenschaft spielte ich ein bestimmtes
Zeichenspiel.
Ein Mitspieler kritzelte ein willkürliches Zeichen
auf das Papier
und ich durfte dann in diesem Zeichen etwas „sehen“
und die Zeichnung
vervollständigen. Damals schon war ich fasziniert davon
wie viele
verschiedene
Möglichkeiten es doch gab,
an einer Zeichnung weiterzuarbeiten,
und wie viele
tausend Bilder in einem zu erahnen sind.


Ich
wußte
schon früh, dass es viele Bilder in mir gab, die
gezeichnet werden wollten.
Und ich erkannte, dass die Welt der Bilder
so viel
mehr zu bieten hatte als die reale Welt,
dass hier tatsächlich
alles möglich
und alles erlaubt war. In der Kunst gibt es kein Tabu.
Das im
tatsächlichen
Leben moralisch nicht Tragbare darf ungestraft zum Ausdruck gebracht
werden.
So
war für mich das Zeichnen oft ein Trost und ein Ventil für
Gefühle und
Gedanken,
die man so im realen Leben nicht haben durfte.

Ein lebenslanges Thema
ist zum Beispiel das Zwillingsein, das sich wiederfindet in der
Auseinandersetzung
mit Dualität, mit Gleichheit und Gegensätzlichkeit, mit Licht
und
Schatten, mit Gut und
Böse.
Ich wurde als zweieiiger Zwilling geboren, fand es als Kind aber immer
schade kein „richtiger“ Zwilling zu sein,
wenn ich schon Zwilling sein musste. Meine
Schwester und ich wurden immer wie eineiige Zwillinge behandelt.
Ich sollte
also in dem so anders aussehenden Gesicht meines Gegenübers mich
selbst sehen –
der Zwiespalt zwischen Gleichheit und Gegensätzlichkeit entwickelt
so eine ganz
eigene
Dynamik in meinen Bildern.

Anfang der 90er Jahre begann ich mit der Arbeit an
den
Skulpturen.
Allein 1993 entstanden mehr als zehn meiner Kopffüßler.
Endlich war
die Farbe in mein Leben gekommen, nachdem ich
über viele Jahre nur in
Schwarzweiß gezeichnet hatte. Und die Farbe kam mit aller Kraft.
Es war eine Freude diese Wesen entstehen zu
lassen. Auch
hier, bei der Arbeit mit den Gipsbinden,
ließ ich es zu, dass die Gestalten
unter meinen Händen langsam Form annahmen und sich selbst
kreierten.
Was ich an
dem Gips so gerne mag, ist dass er während des
Verarbeitungsprozesses seine
Struktur
und seine Temperatur ändert. Am Schönsten ist es, wenn er
warm wird in
meinen Händen,
dann fühlt er sich lebendig an und haucht so meinen Skulpturen so
etwas wie Leben ein.
Viele meiner Skulpturen wurden erst durch das Auge
zum
Wesen.
Gib einem Gegenstand ein Auge und schon wirkt er lebendig.
Das
faszinierte mich und so entstanden gar skurrile Gestalten.

Durch die Skulpturen also zur Farbe gekommen,
wagte ich mich
wenige Jahre später dann an die Malerei.
Ich griff zu Acrylfarben und war
überwältigt von der Farbgewalt. Ich trug die Farben dick mit
der Spachtel auf
und ließ sie ineinanderlaufen, was oft unglaublich schöne
Strukturen entstehen
ließ.
Das Bild „Wolkenkratzer“ ist eines der ersten Bilder, die ich malte.
Ich bin Künstlerin, obschon ich nie gewagt habe aus der
Kunst einen Broterwerb zu machen.
Einerseits denke ich, dass der kreative
Schaffensprozess viel zu kostbar ist, um ihn dem Druck
der
Einkommensbeschaffung zu unterwerfen, andererseits hatte ich als allein
erziehende Mutter
Verantwortung zu tragen für meinen Sohn, der 1981 geboren
wurde und der inzwischen selbst
eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen hat.
Das Leben hat mich durch Höhen und Tiefen
und auf ungeahnte Wege geführt, aber
die Kunst war immer meine Begleiterin.
